AtelierSchule
hat sich zum Ziel gesetzt die Freinet-Pädagogik
in der pädagogischen Praxis zu verwirklichen und im kooperativen Austausch
weiter zu entwickeln.
AtelierSchule
veranstaltet Fortbildungen zu Kultur und Pädagogik.
AtelierSchule
dokumentiert und publiziert Gedanken zur Pädagogik und gibt Einblicke
reformpädagogisches Schulleben.
| Vom Werden zum Sein Die Geschichte von ATELIER SCHULE Die Anfänge von AtelierSchule gehen auf das Jahr 1990 zurück, als eine Gruppe engagierter LehrerInnen rund um Martin Merz sich daran machte, reformpädagoische Schritte im Schulleben zu setzen und sich im gegenseitigen Austausch weiter zu entwickeln und zu unterstützen. Freinet-Pädagogik, Offenes Lernen, Projektarbeit, Kreative Pädagogik - „Den Kindern das Wort geben“ waren die Stichworte – neue Ideen und pädagogische Sichtweisen waren das Ziel. Eine reformpädagogische LehrerInnen-Gruppe war entstanden und bildetete die Wurzeln für ATELIER SCHULE. Immer mehr Schulräume veränderten ihr Aussehen – im Inneren, wie auch nach außen hin: Kinder, die Verantwortung für ihre Arbeit übernehmen, die die Gemeinschaft in der Klasse gemeinsam gestalten, Klassenräume die sich mehr und mehr zu einer Lernwerkstatt veränderten, Arbeitsateliers, selbst gemachte Bücher, Kinderlesungen und ein buntes Schulleben voller Arbeitsfreude, signalisierten, dass hier etwas in Bewegung geraten war! Schülerzeitungen wurden gedruckt und verschickt, Klassenpostkästen füllten sich mit interessanten Gedanken von Kindern aus allerlei Teilen des Landes. Kinderkonferenzen veränderten das Bild der Gemeinschaft in der Klasse. Gemeinsames Arbeiten und individuelles Lernen ließen die Welt des Frontal- und Notenunterrichtes vergessen. Diese Prozesse in der Klasse begleiteten Prozesse in der Lehrerschaft. Fortbildungsveranstaltungen und Workshops wurden organisiert, Exkursionen veranstaltet, ... 1992 und 1996 organisierten wir das österreichische Freinet-Ostertreffen in Schlierbach. 1997 wurde dann AtelierSchule zu einem Verein, zur Freinet-Pädagogik-Initiative Oberösterreich. Seither hat der Verein zahlreiche Veranstaltungen organisiert, kooperiert mit verschiedenen Fortbildungsinstitutionen und blickt auf lange Liste an Publikationen zu unterschiedliche Schwerpunkten der Freinet-Pädagogik zurück. |
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FINA, Ausdruck einer fröhlichen und kreativen
Kinderseele, erblickte in meiner Klasse in Kirchdorf, von der Erstklässlerin
Fina Kurka schnell mal auf einen Notizzettel gezeichnet, das Licht
der Welt. Seither begleitet sie die Arbeit und das Vereinsleben von AtelierSchule. AtelierSchule sieht Schule als Lernraum und Spielraum,
als eine Lernwerkstatt, ein Atelier kreativen Denkens und Schaffens. Martin Merz |
![]() das Atelier - Schule – Treff für Gespräch & gemeinsames Denken und Tun am ersten Mittwoch im Monat abwechselnd in Linz
und Steyr (sicherheitshalber anrufen unter 0650 73 16 919 Isabella
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| Genaueres kannst du bei Martin Merz, m.merz@gmx.at, erfragen. |
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Schule des Augenblicks: AtelierSchuleZeitung Nr. 24 Frühling 2010 |
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Hanni Rendl: AtelierSchuleZeitung Nr. 23 Frühling 2009 |
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Markus Bernet: AtelierSchuleZeitung Nr. 22 Juni/Juli 2008 |
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Isabella Heuschober: AtelierSchuleZeitung Nr. 21 |
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Jochen Hering: AtelierSchuleZeitung Nr. 18 Frühjahr 2005 |
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Elisabeth Haider: AtelierSchuleZeitung Nr. 19, Herbst/Winter 2005 |
Der freie Ausdruck und die Entwicklung von Eigen-Sinn
Kinder brauchen den Raum, sich an Geschichten zu erinnern,
Geschichten zu erzählen oder aufzuschreiben, Bilder zu malen, im freien
Schreiben und Gestalten auf Entdeckungsreise in die eigene Geschichte zu
gehen. Sie können dabei lernen, das Angenehme und Schöne, das
ihnen begegnet, zu genießen, Kraft daraus zu schöpfen. Und sie
haben, wenn sie selbst es möchten, die Gelegenheit, sich auch für
Trauriges und Ängstliches zu öffnen, ihr Herz auszuschütten
(nur für sich selbst oder auch für andere) und machen damit den
ersten Schritt, Belastungen und Blockaden aufzulösen und sich mit
ihnen zu versöhnen. Denn wie unsere übrigen Sinne, muss auch
das Erinnerungsvermögen - unser Sinn für Geschichten aus der
Vergangenheit — entfaltet werden.
Und wir können — in den freien Texten — spielerisch, schöpferisch und kritisch mit der Wirklichkeit umgehen, sie neu zusammensetzen, verändern, die Phantasie als â€besseres Land“ kennen lernen, im Erzählen aus der inneren Welt heraus auf die äußere Welt Einfluss nehmen ...
Sich bei der Arbeit mit allen Sinnen zu erfahren, und, in der eigenen Möglichkeit, selbst-bewusst zu werden, sich frei ausdrücken zu können, Belastendes verarbeiten, Verlorengegangenes wieder finden, die Wirklichkeit in der Phantasie und mit Phantasie auseinander nehmen und neu zusammensetzen können — je mehr solche Räume und Freiräume aus Kindheiten verschwinden, nur noch als Nischen, als Ökotope, für einige wenige überleben, je mehr Phantasie und Eigen-Sinn der Kinder überrollt werden, umso deutlicher wird die Aktualität der Freinet-Pädagogik.
aus: Jochen Hering, Walter Hövel (Hg)
„Immer noch der Zeit voraus”,
Pädagogik-Kooperative, Bremen, 1996, S 43f
Dieses Buch ist zum Sonderpreis
von 10 Euro bei
Atelier Schule
erhältlich!
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Mario & Majo oder mit Hasen reisen
Eine Geschichte zum möglichen Umgang mit freien
Texten in einer Integrationsklasse.
Da gibt es auf Marios Arbeitsplan ein Feld, in dem steht: „Mein
Text”
Mit diesem Arbeitsauftrag konnte er anfangs so überhaupt gar nichts
anfangen. Er erzählte nicht gern Geschichten und dann erst noch aufschreiben!
Auch lautgetreues Schreiben mit Hilfe der Anlauttabelle war für ihn
eine zu anstrengende Arbeit, als dass daraus sinnvolle Texte hätten
entstehen können.
Mario konnte keine Freude am Erzählen finden.
Zum Glück gab es da einen Hasen namens Mario in seiner Familie. (Eigentlich
ein Kaninchen, durch undeutliche Aussprache seines Namens ergab sich dann
der Name des Titelhelden „Majo”.)
Über dieses Tier wollte nun Mario etwas berichten. Endlich
hatte er sein Thema gefunden. Daraus ergab sich nun die Idee, eine Fortsetzungsgeschichte
zu schreiben. Der Hase Majo und sein Hasenfreund Lucky Luke sollten auf Reisen
gehen.
Ich schrieb bei Marios Erzählungen natürlich mit (neben ihm sitzend
und in großen Druckbuchstaben).
Ab diesem Zeitpunkt wusste er nun sofort, was in das leere Textfeld zu schreiben
war - er brauchte Majo und Lucky Luke nur weiterreisen zu lassen. Und dazu
konnte man ja auch auf dem Globus nachsehen.
Immer seltener brauchte Mario bei seinen phantasievollen
Geschichten einen Denkanstoß, ich musste nur seine Hand sein - für
ihn alles aufschreiben. Stolz hörte er zu, wenn ich ihm seine Geschichte
vorlas.
Später konnte er den Text drucken und Teile davon in ein Heft abschreiben.
Daraus entsteht nun ein Buch, an dem er bis zum Ende der 4. Klasse schreiben
möchte.
Mario übt weiterhin eifrig die Buchstaben und das Zusammenlauten.
Er möchte seine Texte doch möglichst bald selber aufschreiben können.
Mittlerweile hilft auch ein Freund mit, für Mario kürzere Textsequenzen
aufzuschreiben.
Was aus dieser Weltreise noch entstehen wird - die Möglichkeiten sind
ungezählt - ich freue mich schon darauf mit Mario und Majo die nächste
Reise zu tun!
Lisi Haider
ist Sonderschullehrerin und arbeitet in der Regenbogenklasse, einer Integrationsklasse
in der
Steyrdorfschule in Steyr.
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Gedichte finden Stadt
„ Ich glaube, sie mag uns sehr,
doch Gedichte wahrscheinlich mehr.”
Michael T., 13, über seine Deutsch-Lehrerin.
Er hatte mich bereits nach den ersten drei Monaten durchschaut.
Ich kann schwer in Worte fassen, was ein Gedicht für
mich alles bedeutet. Es ist so etwas wie ein Universal-mittel für die
Seele, eine „sprachliche Hochpotenz”. Mit einem Gedicht kann
man auf vielfältige Art spielen, man kann es inszenieren, künstlerisch
interpretieren, eine Welt zwischen den Zeilen erschaffen, es zerlegen, verdrehen
und umdichten, ... Wie immer man einem Gedicht auch begegnet, es erschließt
sich jedes Mal neu.
Und vor allem kann man Gedichte auch selbst erfinden.
Der Stellenwert, den ich dem Gedicht in meinem Unterricht einräume,
ist für meine KollegInnen wie auch für meine SchülerInnen
nicht immer leicht nachvollziehbar.
Dass der Funke dann und wann auch überspringt und sogar
im ganz normalen Hauptschulalltag ein Feuer der Begeisterung zu entfachen
vermag — Herz, was willst du mehr!
Von der Idee ausgehend, Gedichte zu verschiedenen Themen an verschiedenen
Plätzen der Stadt unter die Leute zu bringen, durchschmökerten
wir Gedichtbände und Lesebücher und begaben uns in einigen Deutschstunden
an „Lieblingsplätze”, um dort selbst zu dichten.
Dass Dichten etwas mit Ver-dichten zu tun hat und wie das funktioniert, das
haben wir im Vorfeld dieses Leseprojektes erfahren und ausgiebig geübt.
Wer will was vorlesen?
„ Ich mag gar nichts lesen!”, so Michael T. Und Michael fand gleich
zwei Sympathisanten.
Dennoch waren die drei bereit, bei der Auswahl der Texte mitzuhelfen und
das Vortragen von Gedichten — ganz im Sinne des Lehrplans — zu üben.
Als es darum ging, Inszenierungen für die Texte zu erfinden und auszuprobieren,
stellten die drei „Aussteiger” fest, dass es ohne sie doch „nichts
Gescheites” werden würde... Die Vorbereitungen liefen wie von
selbst. Täglich kamen die SchülerInnen mit neuen Ideen und Requisiten.
So schleppte Magdalena einen Koffer in die Schule, prall gefüllt mit
Dingen, die in ihren Reisegedichten vorkamen. Und Michael, Moritz und Patrick
organisierten den größten Besen der Schule, auf dem sie zur Sonne
reisen wollten.
Natürlich vergaßen wir auch nicht, unsere Leseaktion mit kreativ
gestalteten Plakaten zu bewerben.
Am Freitagmorgen Ende Juni sollten unsere Gedichte also „Stadt finden”.
Um 8 Uhr regnete es noch in Strömen. Noch bevor ich die Kinder in ihren
Klassen aufsuchen und ihnen eine Verschiebung der Veranstaltung vorschlagen
konnte, fand sich die halbe Gruppe vor dem Konferenzzimmer ein, um - quasi
vorauseilend - dagegen zu protestieren. Gegen elf Uhr hörte es zu regnen
auf. Also konnten wir wie geplant pünktlich an den verschiedenen Darbietungsplätzen
der Stadt sein:
Doris trug mit vier Freundinnen im Kirchenpark meditative Gedichte und Geschichten
vor, die in Thomas' einfühlsamem Gitarrespiel ihren Widerhall fanden.
In einem Cafe gaben SchülerInnen der 4. Klassen ihre selbst verfassten
Texte über ihre Stadt zum Besten. Lisa, Sandra, Katja und Markus beglückten
mit einigen MitschülerInnen die Kinder der vierten Klasse Volksschule
mit Gedichten zum Thema „Sommer, Sonne, Meer”. Und Magdalena,
Beate, Moritz und Patrick warben mit Koffer und Besen vor dem Reisebüro
auf dem Stadtplatz um die Gunst der Passanten.
Dabei wurden die interessierten Zuhörer auch zum Mitmachen eingeladen:
Die mutigen DarstellerInnen boten ihrem Publikum an, Zeichnungen zu einem
Gedicht von Joachim Ringelnatz über einen verliebten Schmetterling in
die richtige Reihenfolge zu bringen, oder sich auf Erich Kästners „Im
Auto über Land” einen Reim zu machen.
Bewundert, bedankt und mitunter sogar beschenkt vom Publikum,
begeistert und sichtlich stolz über sich selbst, kehrten die Kinder
nach mehr als der ursprünglich geplanten Stunde in die Schule zurück.
Auf dem Rückweg verriet Beate ihren ”Lockruf”, mit dem sie
die Menschen auf dem Stadtplatz aus ihrer Betriebsamkeit geholt und auf ihre
Aktion aufmerksam gemacht hatte:
Liebe Leute, groß und klein,
wir laden euch zum Dichten ein.
Wir wollen euch damit beweisen:
Gedichte sind cool.
Maria Punz
Mein Weg
Brücken überqueren
Felsen überwinden
Stufen steigen
Spuren hinterlassen
in ein Boot steigen
in die Zukunft fahren
Stefanie
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Vorstand
Bei der Vereins-Hauptversammlung am 26. Mai 2010, wurde der
Vereinsvorstand für die nächsten zwei Jahre wie folgt festgelegt:
Die Vereinsobleute sind Martin Merz und Irmgard
Thanhäuser.
Um die Vereinsfinanzen
und Adressenverwaltung kümmert sich nach wie vor Marianne
Furtlehner.
Isabella Heuschober vertritt sie stell – falls nötig und Lisi
Haider agiert als Rechtsprüferin.
Schriftführerinnen sind Birgit
Gubo (voll einsatzfähig nach einem Jahr Auszeit) und Juliane
Walther.
Juliane, eine Studentin aus Halle/D, hat den direkten Weg über das letzte
Herbst/Atelier in das AtelierSchule-Team gewählt! Wir freuen uns sehr über
diesen jungen und engagieren Zuwachs!!!
Drucken mit Kindern
Unsere Druckbüchlein, die in der 1. und 2. Klasse entstehen, heissen „i druck“. Das ist ein Spiel mit dem Wort „Eindruck“ und hat drei Bedeutungen. Wir hoffen, dass unsere gedruckten Geschichten bei unseren Leserinnen und Lesern Eindruck machen. Manchmal ist auf der Rückseite unserer Blätter von gewissen Buchstaben ein mechanischer Eindruck feststellbar. Andererseits könnte „i druck“ in der Mundart auch „ich drucke“ bedeuten.
Zu Beginn stehen die verschiedenen freien Geschichten der Kinder. Gemeinsam setzen wir uns hin und überlegen, welche Geschichte am wertvollsten oder bedeutungsvollsten für das einzelne Kind ist. Die Auswahlkriterien können sich auch von Klasse zu Klasse oder von Situation zu Situation verändern. Dieses Jahr haben wir uns auf das Thema „Unser Waldmorgen“ beschränkt. Ein anderes Mal haben wir ein Zahlenbuch gemacht. Ausgangspunkt war damals unser Zahlenmuseum. Im Druckbüchlein ging es um allgemeine Bedeutungen der Zahlen und im Besonderen für meine damalige 1. Klasse. Eine andere Ausgabe beinhaltete eine Sammlung unserer Geschichten, die wir jeweils am Geburtstag dem Geburtstagskind schenken. Im letzten Jahr setzten die Kinder ihre erste Geschichte, die sie in den Wochen nach Schulanfang verfassten.
In unserer Schuldruckerei verfügen wir über verschiedene Schriften. Je nach der Länge des Textes und dem Alter des Kindes stehen die Schriften mit 28 oder 24 Punkt zur Auswahl. Nach meiner Erfahrung haben Einzelrähmchen den Vorteil, dass zwei Kinder gleichzeitig am gleichen Text setzen können. Die Lettern haben wir nach dem Alphabet geordnet, damit sich das Kind auch bei einer anderen Schrift sofort zurechtfindet. Die Wortabstände stehen in kleinen, verschieden farbigen Dosen zur Verfügung. So gibt es beim Setzen und Absetzen keine Verwechslungen. Auch das Drucken an der Abdruckpresse machen die Kinder in Partnerarbeit. Ein Kind färbt ein, das andere bedient die Walze, legt das Blatt auf den Druckstock und räumt den Druck ins Trockengestell.
Die Auflagenstärke unseres Büchleins beträgt nur 30 Exemplare. Je nach Klassengrösse bleiben uns am Schluss ca. 10 Stück zum Verschenken. In der Klassenversammlung besprechen wir, wem wir mit dem „i druck“ eine Freude bereiten möchten. Über eine Rückmeldung freuen wir uns jeweils ganz besonders, weil wir im Verlaufe der Arbeit eine vertiefte Beziehung zu unserem Werk aufgebaut haben und gespannt sind, was andere dazu meinen. Jede Geschichte wird mit einer Illustration ergänzt. Bis jetzt haben wir Erfahrung mit Moosgummi, Styropor und Linol (Alternative: Dachpappe für Flachdächer) gemacht. Den Linolersatz verwenden wir frühestens ab der 2. Klasse.
Das Druckbüchlein gehört bei den Kindern zu den wertvollsten Erinnerungen an die Schulzeit. Robyn hat bei ihrer Rückkehr nach Südafrika zwei Erinnerungen an die Zeit in der Schweiz mitgenommen: Das Geburtstagsbüchlein und das Druckbüchlein.
Gerne erwarten wir eine Rückmeldung über
eure Erfahrungen mit der Veröffentlichung der Geschichten, die in
eurer Klasse entstehen. Interessant wäre ein Austausch von verschiedensten
Ideen.
Eure 2. Klasse aus Sevelen (Schweiz)
markus.bernet@schule-sevelen.ch
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Den Kindern das Wort geben
Diese Forderung Celestin Freinets bedeutet, den Kindern
die Möglichkeit zu geben, sich selbstständig Wissen anzueignen,
ihre Fähigkeiten zu entwickeln und soziales und demokratisches Lernen
zu erfahren. Solches Demokratie-Lernen soll den Kindern helfen, selbstbewusst
und selbstverantwortlich durch das Leben zu gehen. Sie sollen erkennen,
dass demokratisches Lernen ein immerwährender Prozess ist, der nicht
fertig oder abgeschlossen sein kann.
Freilich ist es an uns Erwachsenen die entsprechenden Bedingungen zu schaffen,
damit die Kinder ihre Anliegen artikulieren, einbringen und verwirklichen
können.
Celestin Freinet (1896-1966) verstand die Schulgemeinde und die Klasse
als Kooperative, als sozialen Ort der Kinder und Lehrer um die „Demokratie
im kleinen“ zu lernen und zu leben. Dazu schuf Freinet in seiner
Dorfschule mit der Vollversammlung aller Klassen („conseil de cooperative“)
in „familiärer Atmosphäre der Selbstkritik“ (Freinet
19792,77) demokratische, institutionalisierte Strukturen der Schülerbitbestimmung
innerhalb der Schulgemeinde, um mit den Kindern zusammen Vereinbarungen,
Planungsvorhaben und Problemlösungen zu generieren und zu praktizieren,
sowie Konflikte zu bearbeiten: Regeln für das Zusammenleben und
Lernen („règles de vie“) werden diskutiert, ausgehandelt
und basisdemokratisch beschlossen. Gleichzeitig betont Freinet neben
dem politischen auch das bildende Moment, da auch Unterrichtsinhalte
von den Schülern mitgeplant, ausgewählt, zeitlich strukturiert
und gewichtet werden.
Susanne Buchner, Demokratie im Kleinen
In pädagogischen Konferenzen, in denen wir Grundsatzdiskussionen über
Mitbeteiligung und Mitbestimmung geführt hatten, sind wie zu einem
gemeinsamen Menschenbild gekommen, das voraussetzt, der will und kann sich
weiterentwickeln, Eigenverantwortung übernehmen, seine persönlichen
Grenzen im Dialog mit den Mitmenschen erkennen und seine Fähigkeiten
dazu erweitern sowie seine ihm anvertrauten Aufgaben verantwortungsbewusst
lösen.
Grundlegende Voraussetzung für ein gelungenes Miteinander ist die Beziehung
zwischen den Lehrer/innen und den Kindern, ebenso wie die Beziehungen zwischen
den Kindern und die demokratische Beteiligung der Eltern. Die Unterrichtsinhalte
und die Unterrichtsformen müssen mit den Intentionen und Zielen des
Demokratie-Lernens konform gehen.
Ein Leitgedanke unserer Schule ist es, demokratische Regeln erfahrbar zu
machen, um sie (weiter) zu entwickeln, nach dem Leitsatz:
Demokratie muss gelebt werden, um gelernt werden zu können.
Die Erziehung zu Selbstständigkeit und Selbstverantwortung ist uns Lehrer/innen
besonders wichtig. Das beinhaltet auch, dass das Zusammenleben in der Klasse,
genauso wie der Unterricht von den Kindern mitgetragen und gestaltet wird.
Demokratisches Leben ist vorrangige und prägende Begegnungsform in unserem
schulischen Alltag.
Unsere Erfahrung zeigt: Wir werden nicht demokratiefähig geboren, sondern
müssen uns demokratische Denk- und Verhaltensweisen aneignen, einüben
und permanent reflektieren.
Schule des Augenblicks
Text-Triologie von Martin Merz
Teil 1
Schule des Augenblicks
.… ist Neues, Ungewöhnliches, Anderes,
ist Unbekanntes, ist Eigenartiges, Fantastisches …
- und wie man damit umgeht und was man daraus macht.
Schule des Augenblicks
… . ist das Ausprobieren und auf neue Lösungen
stoßen.
Etwas aus anderem Blickwinkel zu sehen –
Fremdes kennen lernen –
offen sein für Veränderungen und Neuerungen.
Schule des Augenblicks
.… ist Einfallsreichtum und Kreativität
ist Kunst und Leben zugleich, …
- wie ein Haufen Reisig, Holz und Papier aus dem ein loderndes Feuer wird.
frei nach P.H.Wallhof
Teil 2
Lernen ist ein Prozess, der sich auf vielfältige Art
und Weise aufbaut, sich weiterentwickelt und abläuft.
Lernen kann gezielt geplant und auf das Ziel gerichtet weiterverfolgt werden,
indem wir einem uns bekannten Muster eines Prozesses nachfolgen und die bereits
angelegten Wissensdaten verwenden.
Lernen kann andererseits so ablaufen, indem wir eine Konstruktion entwickeln,
wie wir uns dem gewünschten, vorher ins Auge gefassten Ergebnisses, annähern.
Lernen kann aber auch spontan passieren, weil ein plötzlicher Eindruck,
ein Impuls, eine Situation unser Interesse, unsere Sichtweise daran bzw. darauf
fokusiert und wir diesem nachgehen möchten.
Wie der Lernprozess dann weitergeht, wie er sich aufbaut, mit welchen Mitteln
und Handlungen er sich füllt, hängt dann wiederum von der Art und
Weise des Gedankens, des Objektes, …, des Auslösers der persönlichen
Vertiefung oder Auseinandersetzung ab und wie wir dem nachgehen.
„ Wir glauben Erfahrungen zu machen,
aber die Erfahrungen machen uns.“
Eugène Ionesco
Lernen an der Wirklichkeit – Lernen am
Hier und Jetzt
Kinder, vor allem junge und noch wenig von der erwachsenen Welt geprägte –leider
oft auch verdorbene - Kinder, die ihrem eigenen Lernbedürfnis folgen,
lernen vor allem im Hier und Jetzt – eine plötzliche Entdeckung,
ein Gefühl oder ein direktes Problem, wird für sie der Grundstein
eines neuen Lernprozesses. Sie lernen an dem, was sie umgibt – an der
Wirklichkeit oder daran, was sie in ihrer Welt um sich herum erkennen – an
ihrer Wirklichkeit. Und das macht es eben auch für uns Erwachsene so schwer,
ihren Lernprozessen zu folgen, sie überhaupt wahrzunehmen. Darum ist es
auch so wichtig, sich offen, möglichst wertungsfrei, flexibel und kreativ
mit den Kindern in deren Lernprozess einzuklinken und daran teilzuhaben. Freinet
nennt sein vielleicht einziges pädagogisches Talent, dass er ein so gutes
Erinnerungsvermögen an seine eigene Kindheit bewahrt hat, dass er als
Kind die Kinder sieht und versteht, deren Weg er mitgeht.
Und natürlich braucht es Vertrauen in das und in die Kinder, die mit Ernst
und Eifer einer Sache nachspüren, braucht es Vertrauen darauf, dass Kinder
ihr Tun und Handeln in eigener Verantwortung und Selbstorganisation schaffen
können – jedenfalls wollen. ……
„ In keinem Alter
erlebt man so intensiv
wie in der Kindheit.
Wir Großen sollten uns
daran erinnern,
wie das war.“
Astrid Lindgren
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